„Vormärzliche Verleger zwischen Zensur, Buchmarkt und Lesepublikum“ – Kolloquium in der Arbeitskammer Kirkel


 

„Es besteht kein Zweifel, dass die Freiheitsbewegung um Siebenpfeiffer und Wirth ohne couragierte Druckereibesitzer und Verleger nicht diesen ungeheuren Zuspruch gehabt hätte. Sie waren es, die Ideen und politische Ziele zu Papier gebracht und Bücher, Zeitungen sowie Flugblätter in der Öffentlichkeit verbreitet haben. Sie waren es, die sich mit der Obrigkeit und den Zensurbehörden auseinanderzusetzen hatten und nicht selten auch selbst hinter Gittern landeten“: Die Bedeutung, die speziell den Verlegern und ihren Unternehmen im zeitlichen Umfeld des Hambacher Festes 1832 zukam, sei nicht hoch genug einzuschätzen, betont Landrat Dr. Theophil Gallo, der Vorsitzende der Siebenpfeiffer-Stiftung. Da ihre Rolle und ihr Einfluss in der historischen Forschung bislang noch nicht intensiv unter die Lupe genommen worden seien, widme sich nunmehr ein wissenschaftliches Kolloquium der Siebenpfeiffer-Stiftung der Problematik. „Vormärzliche Verleger zwischen Zensur, Buchmarkt und Lesepublikum“ lautet das Thema der Tagung, die am Freitag, 15. Oktober, sowie am Samstag, 16. Oktober, im Bildungszentrum der saarländischen Arbeitskammer in Kirkel-Neuhäusel stattfindet.

 

Ein gutes Dutzend von Wissenschaftlern deutscher wie internationaler Universitäten wird Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln dazu beisteuern. Die Leitung des Kolloquiums liegt in den Händen von Prof. Gabriele Clemens von der Universität Saarbrücken. Das Eröffnungsreferat hält Prof. James Brophy von der University of Delaware, der auch die aktuelle Forschungslage darstellen wird. Prof. Thomas Gergen (Saarbrücken/Luxemburg) geht in seinem Vortrag auf den Zweibrücker Druckereibesitzer Georg Ritter (1795 – 1854) ein, der zurzeit von Siebenpfeiffer und Wirth dafür sorgte, dass deren Zeitungen „Rheinbayern“ und „Deutsche Tribüne“ erschienen, wenn ihre eigenen Druckerpressen polizeilich versiegelt worden und deswegen nicht benutzbar waren. Georg Ritter war es auch, der die Gerichtsverhandlungen gegen die Redner des Hambacher Festes, die im Sommer 1834 in Landau stattfanden, mit einer für die damaligen Verhältnisse unglaublichen Geschwindigkeit in gedruckter Forum landauf, landab zum allgemein zugänglichen Lesestoff machte. Weitere Referentinnen und Referenten kommen aus Stockholm, Frankfurt, Wien, Marburg und Leipzig.

Der Zweibrücker Verleger und Druckereibesitzer Georg Ritter. Das Gemälde eines unbekannten Malers befindet sich in der Ausstellung „Schau!Platz Freiheit“ im Stadtmuseum Zweibrücken. Foto: Martin Baus

Das genaue Tagungsprogramm kann bei der Siebenpfeiffer-Stiftung im Homburger Landratsamt, Tel. 06841/104-8409, Email: Ute.Klosendorf@saarpfalz-kreis.de geordert werden. Auch besteht die Möglichkeit der persönlichen Teilnahme an der Veranstaltung in der Arbeitskammer. Wegen der Corona-Pandemie ist die Anzahl der Besucher aber begrenzt – Negativtest, Impfbescheinigung oder Genesungsnachweis sind vorzulegen. Zudem wird Gelegenheit gegeben, den Referaten digital beizuwohnen. Nach Anmeldung wird Interessierten der Zugangslink zum „Streaming“ zugestellt.

 

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