Hambacher Lieder als Buch – und bald auch als Konzert


So wie die „Marseillaise“ die Hymne der Französischen Revolution war, so avancierte das „Mailied“ zur Erkennungsmelodie des Hambacher Festes. Philipp Jakob Siebenpfeiffer, kaum anderthalb Jahre zuvor seines Amtes als königlich-bayerischer Landrat in Homburg enthoben, hatte es verfasst. Ein imposanter Chor, bestehend aus 300 Handwerksburschen, eröffnete mit den Versen „Hinauf Patrioten, zum Schloss, zum Schloss! / hoch flattern die deutschen Farben …“ die Demonstration, bei der etwa 30.000 Menschen Freiheit und Demokratie einforderten. Mit „stürmischem Enthusiasmus“ sei das Lied aufgenommen worden, verraten zeitgenössische Quellen. Die „Festgesänge“ von Hambach sind Gegenstand eines neuen Buches, das von der Siebenpfeiffer-Stiftung jetzt vorgelegt wurde.
„Es ist schon beachtlich, welche Bedeutung Liedern und dem Gesang innerhalb der Freiheitsbewegung beigemessen wurde“, betonte der saarpfälzische Landrat Theo-phil Gallo, der auch Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung ist. Deren Namensgeber sei sich dieser Wirkung stets bewusst gewesen. „Singst du das Lied der Freiheit, gleich stimmet der Völker jauchzender Chor ein“, hatte er schließlich eigenhändig unter sein Porträt geschrieben, das seiner Zeit von ihm in Umlauf war.
Grundlage des nunmehr 16. Bandes der von der Siebenpfeiffer-Stiftung herausgege-benen „kleinen Schriftenreihe“ ist die Sammlung „Hambacher Lieder“, die vor genau zehn Jahren antiquarisch erworben worden war. Diese Sammlung wurde nun wissenschaftlich ausgewertet. „Es handelt sich um eine individuelle Zusammenstellung von insgesamt 159 Gedichten und Liedern, die im Umfeld des Hambacher Festes geschrieben, gesungen, vorgetragen oder veröffentlicht wurden“, erläutert der Literaturwissenschaftler Reiner Marx. Die Textsammlung besteht teilweise aus Einzeldrucken, teilweise aus noch nie publizierten Handschriften – zum Beispiel von berühmten Dichtern wie etwa Nikolaus Lenau und Ludwig Uhland, von dem Homburger Literaturstudenten Christian Scharpff sowie von Siebenpfeiffer selbst. Das 240 Seiten umfassende Buch beinhaltet neben sämtlichen Liedern im originalen Wortlaut auch Erläuterungen dazu: Reiner Marx skizziert den literarischen Hintergrund, Martin Baus ordnet die Texte historisch ein.
Zusammengestellt hatte das Buch der Neustadter Arzt Philipp Hepp, der auch die Eröffnungsrede auf dem Hambacher Fest gehalten hatte. Eigene Melodien hatten die Lieder in der Regel übrigens nicht – Siebenpfeiffer gab etwa an, dass seine Dichtung nach Schillers damals sehr bekanntem ‚Reiterlied‘ zu singen sei. Zahlreiche Lieder der Sammlung vermerken dementsprechend unter dem Titel die Melodie, nach der die Texte zu singen sind. Martin Baus „entblättert“ in seinem Essay immer wieder kehrende „Hambacher Losungen“ ihrer „historischen Belastung“. „Wenn Sieben-pfeiffer und Wirth Begriffe wie Deutschland, Vaterland, Nation oder Patriotismus in den Mund nahmen, dann verstanden sie etwas ganz anderes darunter als wir heute. Diese Vokabeln seien damals eben noch nicht durch die Nazi-Barbarei oder durch drei nationalistisch motivierte Kriege pervertiert gewesen.
Auf Initiative von Landrat Gallo werden einige der „Hambacher Lieder“ im Mittel-punkt jenes Repertoires stehen, das der Bexbacher Schubert-Chor gerade einstudiert. Dessen Leiter Paul O. Krick hat sich einem knappen Dutzend der Gesänge ange-nommen und sie für die vielstimmige Darbietung bearbeitet. Erste Kostproben des späteren Konzertes wird es Mitte April des nächsten Jahres beim Festakt zum 200. Jubiläum des Saarpfalz-Kreises geben.

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