Die Schriften der Siebenpfeiffer-Stiftung


 

„Ein Leben für die Freiheit“ lautete der Titel des Buches, das 1989 erschien und in dem sich eine Reihe von Autoren mit dem Namensgeber der Stiftung auseinandersetzt. Zwei Jahre danach wurde mit dem ersten Band die Reihe „Schriften der Siebenpfeiffer-Stiftung“ begründet.

Mit Prof. Dr. Elmar Wadle, Ordinarius für Rechtsgeschichte an der Universität des Saarlandes, als Herausgeber erschien unter dem Thema „Siebenpfeiffer und seine Zeit im Blickfeld der Rechtsgeschichte“ ein Band, der jene Referate beinhaltet, die auf ein Kolloquium 1989 in Homburg zurückgehen.

Der zweiten Veröffentlichung dieser Reihe war 1993 August Ferdinand Culmann gewidmet. Ihm galt ein zweijähriges Forschungsprojekt der Stiftung, dessen Ergebnis auch eine Ausstellung war. Sie ist, nachdem sie in zahlreichen pfälzischen Orten gezeigt worden war, als Dauerleihgabe dem Heimatkundeverein Höcherberg (Bexbach) übergeben worden.

„Zwischen demokratischem Aufbegehren und industrieller Revolution“ lautet der Titel des Sammelbandes, in dem unter der Herausgeberschaft von Prof. Dr. Hans-Walter Herrmann, dem damaligen Leiter des Landesarchivs Saarbrücken, ein Autorenteam die Biographie des Advokaten, radikalen Demokraten und Unternehmers hinterfragt.

Band III, 1996 erschienen, hat den Landauer Assisenprozess von 1833 zum Thema. Dr. Theophil Gallo, der Verfasser, setzt sich mit dem Strafverfahren gegen Siebenpfeiffer, Wirth und die anderen Redner des Hambacher Festes auseinander. Der Autor zeichnet die Hintergründe nach, die das Verfahren „wegen des versuchten Aufrufs zum gewaltsamen Umsturz“ zum politischen Prozess werden ließen.

Der vierte Band dieser Reihe wurde von Prof. Dr. Elmar Wadle und Prof. Dr. Gerhard Sauder gemeinsam herausgegeben. Er geht auf ein Kolloquium der Siebenpfeiffer-Stiftung zurück, das dem „Jakobiner, Richter und Schriftsteller“ Georg Friedrich Rebmann galt. Dieser saß unter anderem jenem berühmten Strafprozess vor, in dem der legendäre Räuber „Schinderhannes“ zum Tode verurteilt wurde. Die im Rahmen der Tagung vorgetragenen Referate skizzieren die Biographie Rebmanns aus juristischen, historischen und literaturwissenschaftlichen Blickwinkeln.

Der fünfte Band dieser Reihe wurde von Prof. Dr. Hans-Werner Hahn (Jena) herausgegeben. Auch dieses Buch geht auf ein Kolloquium zurück, das im September 1997 in Frankenthal stattfand und in dessen Mittelpunkt Johann Philipp Becker stand. Wissenschaftler unterschiedlicher Herkunft beleuchteten die Biographie dieses Weggefährten Siebenpfeiffers, der auch in den Anfängen der Arbeiterbewegung eine wichtige Rolle spielte.

1998 stand im übrigen ein weiterer „Frankenthaler“ im Blickpunkt eines Kolloquiums: Andreas Riem (1749-1814) zählt mit seinen ca. 50 eigenständigen Publikationen zu den schillernden Persönlichkeiten zwischen Aufklärung und Vormärz. Die Referate der Tagung wurden von Dr. Karl Welker (Frankfurt) als Band sechs der Schriftenreihe herausgegeben.

Ebenfalls auf eine Tagung zurück geht der siebte Band, der von Prof. Dr. Andreas Gestrich (Trier/London) herausgegeben wurde. Das ehemalige Kloster Hornbach, heute als Hotel genutzt und unmittelbar an der französischen Grenze gelegen, war Schauplatz des wissenschaftlichen Kolloquiums, in dessen die Biographie von Friedrich Schüler in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext stand. Friedrich Schüler, 1791 im südostpfälzischen Bergzabern geboren, steht wie kein Zweiter exemplarisch für die deutsche Demokratie-Bewegung des 19. Jahrhunderts. Wortführer der liberalen Opposition im Münchener „Sturmlandtag“ 1831/32, danach Vorsitzender des „Press- und Vaterlandsvereins“, spielte er beim Hambacher Fest im Umfeld von Siebenpfeiffer und Wirth eine entscheidende Rolle. In der Nähe von Metz lebte Friedrich Schüler danach 16 Jahre lang im Exil. 1848 wurde er als Abgeordneter in die Frankfurter Paulskirche gewählt; seine demokratische Linie verfolgte er bis zur Zerschlagung des „Stuttgarter Rumpfparlamentes“ im Juni 1849. Wegen seiner Gesinnung wurde er zum Tod verurteilt. Dem Vollzug hatte er sich durch erneute Flucht entzogen – bis zu seinem Tod 1873 lebte Friedrich Schüler im französischen Exil. Sein Grab hat sich bis heute auf dem kleinen Kirchhof von Ste. Ruffine erhalten.

Die Referate der „Rastatter Tagung“, die unter der Leitung von Prof. Dr. Clemens Zimmermann (Saarbrücken) stand, waren nicht biographisch orientiert, sondern betrachteten die Entwicklungen und Veränderung von Medien und Öffentlichkeiten während der letzten 200 Jahre. Als Band 8 der „Schriften der Siebenpfeiffer-Stiftung“ sind die Vorträge unter dem Titel „Politischer Journalismus, Öffentlichkeiten und Medien im 19. und 20. Jahrhundert“ erschienen. Der Bogen wird dabei geschlagen zwischen den liberalen Publizisten im Vormärz einerseits, die sich mit ihrer Arbeit in der Mission sahen, Aufklärung zu verbreiten und dem objektiv verstandenen Fortschritt Bahn zu brechen, und andererseits den Phänomenen „Politainment“, „Pressekonzentration – und internationalisierung“ aktuell.

Im Zeitraum zwischen den beiden Revolutionen 1789 und 1848/49 versuchten konservative Regenten, die Verbreitung von liberalem oder gar demokratischem Gedankengut, freie Meinungsäußerung sowie Kritik an den herrschenden Zuständen mittels Zensur schon im Keim zu ersticken. Die Vorträge des Kolloquiums „Zensur im Vormärz – Pressefreiheit und Informationskontrolle in Europa“, das unter Leitung von Prof. Dr. Gabriele B. Clemens von der Universität des Saarlandes (Saarbrücken) im April 2011 stattfand, sind im neunten Band der „Schriften der Siebenpfeiffer-Stiftung“ zusammengefasst. Dieser dokumentiert, dass Eingriffe in die Presse- und Meinungsfreiheit ein europäisches Phänomen waren. Die in den Druckschriften zu Papier gebrachten Ideen von Freiheit und Demokratie konnten jedoch nicht an Grenzen aufgehalten werden – trotz Zensur, Polizei, Spitzelwesen, Razzien und Kontrollen. Thematisiert werden in dem von Prof. Clemens herausgegebenen Band u.a. Praktiken der Zensur und ihre Institutionen, politische Konjunkturen, Akteure, administrative Fehlschläge, betroffenes Schriftgut sowie die Dialektik zwischen Zensur und Schreibprozess, zwischen Autor und Zensor.

„Europa im Vormärz – Eine transnationale Spurensuche“ lautete Titel des Kolloquiums, das von der Siebenpfeiffer-Stiftung im Oktober 2014 in Homburg veranstaltet wurde. Die meisten der dabei gehaltenen Vorträge wurden in Band 10 der Schriftenreihe veröffentlicht. Als Herausgeber fungiert Prof. Dr. Klaus Ries von der Friedrich-Schiller-Universität Jena; unter seiner Regie war auch das Symposium durchgeführt worden. Das Buch begibt sich aus unterschiedlichen Perspektiven auf einen Streifzug durch jene Zeit, die gemeiner Hand als „Biedermeier“ und deswegen unpolitisch gilt. Dabei wird der Versuch unternommen, die Wurzeln des modernen Europa im Vormärz ausfindig zu machen. Thematisiert werden nicht nur die einschlägigen Europaideen, sondern auch die politisch-sozialen Praktiken, die auf einen europäischen Homogenisierungsprozess hindeuten. Das „Problemfeld Europa im Vormärz“ wird in seinen verschiedenen Schattierungen und länderübergreifenden Verbindungslinien diskutiert. Aus der Distanz und mit dem Wissen um den weiteren Verlauf der Entwicklung wird dem Vormärz eine ganz entscheidende modernisierungsgeschichtliche Scharnierfunktion auf dem Weg zur europäischen Einheit beigemessen.

Die „kleine Siebenpfeiffer-Reihe“

Nicht so gediegen und aufwendig, gleichwohl aber handlich und informativ ist die zweite Publikationsserie der Stiftung, in der bislang u. a. die Verleihungen des Siebenpfeiffer-Preises 1989, 1991, 1994, 1997, 1999, 2001, 2003, 2005, 2007, 2010, 2012 und 2015 sowie die Gedenkveranstaltung zum 100. Todestag von August Ferdinand Culmann 1991 dokumentiert wurden.

In dieser Reihe veröffentlicht wurde auch eine Forschungsarbeit der Historikerin Christine Kohl-Langer (Landau): „Das Weib im Konflikt mit den sozialen Verhältnissen“ lautet der Titel des Bandes, in dem die Rolle verschiedener „emanzipierter“ Frauen im Vormärz und der 1848/49er Zeit untersucht wird.

„Woher die Waffen nehmen?“

Die Pfalz erhob sich 1849, um die von der Nationalversammlung beschlossene Verfassung gegen die Gewalt der Fürstenhäuser zu verteidigen. Im Mai und im Juni dieses Jahres pulsierte das politische Leben in vielen Ortschaften des gesamten südwestdeutschen Raumes, allenthalben fanden sich „Freischärler“, um sich für die demokratischen Errungenschaften einzusetzen. In einem Forschungsprojekt untersuchte die Historikern Doris Grieben, was sich in dieser Zeit im Bereich der saarpfälzischen Region abgespielt hat. Die Ergebnisse ihrer Forschungen sind in Band 8 der „kleinen Schriften“ veröffentlicht.

Und: Vormärz einmal „multimedial“

In Zusammenarbeit mit der Stadt Zweibrücken entstand ein „etwas anderes“ Vormärz-Museum. Ziel war dabei nicht nur, die regionale Geschichte der Demokratie-Bewegung des 19. Jahrhunderts darzustellen, vielmehr wurden auch aktuelle Aspekte der Zivilcourage angesprochen.

Die Ausstellung ist im Stadtmuseum Zweibrücken untergebracht. Um die speziell anvisierte Zielgruppe „SchülerInnen“ anzusprechen und für die Wurzeln und Bedrohungen der Demokratie zu sensibilisieren, wird Geschichte aber – und das ist der „Clou“ – mit dem Einsatz neuester Medien dargestellt.

Die zentrale Rolle kommt dabei einer „Terminal-Säule“ zu, die über einen „Touchscreen-Monitor“ sowohl für den einzelnen Besucher die Möglichkeit der Interaktion bietet als auch über ein Projektionsgerät („LCD-Beamer“) für die Unterrichtsgestaltung und Führungen von Schulklassen oder Gruppen geeignet ist. Und: Einen Film mit assoziativen Szenen zum Thema „Freiheit“ bekommt nur zu sehen, wer sich auf einem Fahrrad abstrampelt – quasi als Metapher dafür, dass Freiheit nicht vom Himmel fällt und kein Naturgesetz ist, sondern jeder einzelne sich stets dafür engagieren muss, will er weiterhin seine Freiheiten genießen.

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