Festbankett 2016 mit mächtig viel Theater


„Freispruch“ auf offener Bühne und Verabschiedung für Clemens Lindemann

Zuerst einmal gab es für alle Teilnehmer Schleifchen in den deutschen Nationalfarben: Ganz nach dem historischem Vorbild heftete sich beinahe jeder der Besucher dieses Symbol freiheitlicher Gesinnung ans Revers, so dass im Sitzungssaal des Homburger Forums Schwarzrotgold aus allen Winkeln ins Auge stach. Dann erläuterte Theophil Gallo, wie die deutsche Trikolore auf dem Hambacher Fest zum Erkennungszeichen der Demokratie wurde. „Es sollte lange dauern und ein schwieriger Weg werden, bis diese Farben zum offiziellen Staatssymbol wurden“, betonte der Vorsitzende der Siebenpfeiffer-Stiftung und Landrat des Saarpfalz-Kreises bei der Eröffnung des alljährlichen Festbanketts. Dass dann auch noch Jana Schmoltzi die Signets verteilte, hatte ebenfalls konkrete historische Bezüge. Ihr „Verwandter“ Friedrich Schmolze war in den 1820er-Jahren der engste Mitarbeiter von Philipp Jakob Siebenpfeiffer, dem ersten Homburger Landrat.

Das Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung, das seit 1988 jedes Jahr abwechselnd in Homburg und Zweibrücken stattfindet, erinnert an die Gründung des „Pressvereins“ am 29. Januar 1832 in Bubenhausen. War es bisher üblich, dass ein prominenter Redner aktuelle Entwicklungen diskutierte – so etwa zuletzt der Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer oder der Leiter der Stasiunterlagenbehörde Roland Jahn -, so stand dieses Mal ein Theaterstück im Blickpunkt. „Freispruch“ lautet dessen Titel, und inszeniert werden dabei die Geschehnisse im Umfeld des „Landauer Assisenprozesses“ gegen Siebenpfeiffer, Wirth und die anderen Galionsfiguren des Hambacher Festes. Die Zweibrücker Autoren Michael Dillinger und Wolfgang Ohler hatten das Schauspiel anlässlich des 200. Jubiläums geschrieben, das vom Pfälzischen Oberlandesgericht im letzten Jahr gefeiert worden war. Die großangelegte Ausstellung zu diesem Jubiläum, die nunmehr „auf Wanderschaft“ durch verschiedene Städte ist, sowie das Begleitbuch dazu waren unter Federführung der Siebenpfeiffer-Stiftung realisiert worden. Nun also wurde das Podest im Sitzungssaal zur Bühne, auf der das sechsköpfige Ensemble jene Tage Revue passieren lässt, in denen voller Spannung auf das Urteil gegen die Hambacher Redner gewartet wird und die Ereignisse zuvor rekapituliert werden. Insbesondere als Silvia Bervingas, die Regisseurin, professionale Schauspielerin mit „Tatort“-Erfahrung und in dem Stück die Wirtin Caroline Elisabeth Ladenberger mimend, die Marseillaise intonierte, war die Begeisterung groß im Sitzungssaal. Standing Ovations gab es zum Abschluss.

Karl Geibel, dem Ehrenvorsitzenden des Journalistenverbandes Baden-Württemberg, oblag es danach, die Verdienste von Clemens Lindemann als Nestor und langjährigem Vorsitzenden der Siebenpfeiffer-Stiftung zu würdigen. Seit der Gründung 1989 und bis zu seinem Ausscheiden als Landrat hatte er die Geschicke geleitet. Geibel erinnerte an die unterschiedlichen Preisverleihungen, „die immer auf der Höhe der Zeit waren und stets die aktuelle politische Entwicklung wiederspiegelten“. „Die Auszeichnung von Glenn Greenwald zuletzt, aber auch schon die Verleihung an Franz Alt ganz am Anfang entbehrten nie an Brisanz“, sagte Geibel. Für Clemens Lindemann hatte er ein Buch als „Abschiedsgeschenk“, das als einzig gedrucktes Exemplar in Bild und Text die einzelnen Stationen nachzeichnet.

Theophil Gallo informierte schließlich, dass die Stiftung bald Zuwachs bekommt: Der Landkreis Kusel habe seinen Beitritt beantragt. Und auf die nächste und auch schon bevorstehende Veranstaltung wies er hin: Im März wird Franz Alt, also der erste Siebenpfeiffer-Preisträger, im Homburger Forum zu Gast sein. Kartoffelsuppe, Semmelködel, Rotkraut und Kuchen sorgten schließlich dafür, dass auch der kulinarische Teil des Festbanketts aus historischer Perspektive authentisch war.

Martin Baus

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