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Festbankett 2011 mit Bascha Mika PDF Drucken E-Mail
 

„Journalisten teilen das Bett mit den Mächtigen“

von Martin Baus   

Mit der eigenen Zunft ziemlich hart ins Gericht ging Bascha Mika, und es waren wenig schmeichelhafte Sätze, die sie ihren Kollegen von der schreibenden Zunft ins Stammbuch schrieb. „Wir tun so, als würden wir die Mächtigen kontrollieren. Doch nur allzu oft teilen wir mit ihnen Bett und Tisch. Zusammen mit den Mächtigen winken wir dem Volk sozusagen vom Promenadendeck aus zu“, kommentierte die langjährige Chefredakteurin der „tageszeitung“ (taz) die Kumpanei, die inzwischen auf allen Ebenen des Journalismus ins Kraut schieße. Bascha Mika, die aktuell eine Honorarprofessur für Kulturjournalismus an der Universität der Künste in Berlin hat, war zu Gast beim Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung und der Stadt Zweibrücken. Die Veranstaltung findet in Erinnerung an die Gründung des „Press- und Vaterlandsvereins“ Ende Januar 1832 jedes Jahr abwechselnd in Homburg und Zweibrücken statt.

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Längst, so die Rednerin in der Zweibrücker Festhalle, seien es keine Fürsten mehr, die es mit einer aufmüpfigen Journaille zu tun haben. Zwar sei Presse- und Meinungsfreiheit grundgesetzlich verankert, was aber dennoch in größter Gefahr schwebe, sei „die innere Pressefreiheit“. „Immer mehr Leute werden in den Verlagen weggespart. Denjenigen, die übrig bleiben, wird systematisch mehr und mehr Arbeit aufgebürdet. Ihnen wird die Zeit und auch die finanzielle Ausstattung genommen, so dass investigatives Arbeiten nicht mehr möglich ist“, skizzierte Bascha Mika die Entwicklung, die nicht mehr viel mit journalistischem Auftrag zu tun habe, sondern bestenfalls Information, in der Regel aber nur noch Unterhaltung darstelle. Zeitung mit so genannten „Leserreportern“ machen zu wollen, sei eine Farce. „Mit derlei Praktiken sparen die Verleger Geld, aber der Journalismus bleibt auf der Strecke“, meinte Mika. Zudem seien „Leserreporter“ ebenso wie Blogger weder einem Standard noch einem Ethos verpflichtet. 

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Ein großes Problem sah die Festrednerin in der mangelnden öffentlichen Wahrnehmung dieser Tendenzen. Leider gebe es keinerlei Bewusstsein dafür, dass die Pressefreiheit ein entscheidendes Kulturgut sei, das in der Sicherung demokratischer Gesellschaftsstrukturen eine unerlässliche Funktion einnehme. Diese Rolle spielten Journalisten freilich immer noch ganz gut: Das Engagement gegen Vorratsdatenspeicherung oder gegen Überwachung der Telekommunikation seien beste Beispiele dafür. Auch bei der Verteidigung der Pressefreiheit auf internationaler Ebene zeigten Journalisten Flagge - das umstrittene ungarische Pressegesetz führte Bascha Mika beispielhaft dazu an. Und wenn die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung die Meinung vertrete, Ungarn habe wichtigere Probleme als die Gewährleistung von Pressefreiheit, dann sei dieser Stiftung dringend die Teilnahme an einem „Kurs in Demokratie und Pressefreiheit“ anzuraten. Mika: „Pressefreiheit ist ein Merkmal der Demokratie“. 

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Aber auch in Deutschland machte die 56-jährige Journalistin gehörige Defizite aus. So sei der Zugang zu behördlichen Informationen derart mühsam, dass das Land im internationalen Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ in punkto Pressefreiheit auf einem „peinlichen 17. Platz“ rangiere. Diese Einstufung sei nachgerade eine Aufforderung an jeden Journalisten, „seiner verdammten Pflicht nachzukommen und wenigstens zu versuchen, ein Held der Aufklärung zu sein“.

Clemens Lindemann, der Vorsitzende der Siebenpfeiffer-Stiftung, kündigte eine weitere Veranstaltung zur gleichen Thematik an: Mitte April werden sich demnach Wissenschaftler aus ganz Europa auf einer Tagung mit dem internationalen Phänomen der Zensur auseinandersetzen.

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Fotos: Martin Baus

 
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